Die Unterbrustfalte bei der Brustvergrößerung: wie ihre neue Position geplant und festgelegt wird
Die Unterbrustfalte, in der Fachsprache inframammäre Falte, ist die Linie, an der die Brust auf den Brustkorb trifft. Bei einer Brustvergrößerung entscheidet ihre Position darüber, ob das Implantat mittig hinter der Brustwarze sitzt, ob der untere Brustpol natürlich gerundet ist und ob die Narbe später in der Falte verschwindet oder sichtbar auf der Brust oder auf dem Brustkorb liegt. Bei vielen Patientinnen muss die Falte für das gewünschte Implantat einige Millimeter bis Zentimeter nach unten verlegt werden, und diese Entscheidung ist einer der technisch anspruchsvollsten Schritte der Operation. Dieser Beitrag erklärt, warum die Falte verlegt wird, wie die neue Position berechnet wird, wie sie im Gewebe fixiert wird und welche Fehler daraus entstehen können.
Warum die Falte oft nicht bleiben kann, wo sie ist
Die natürliche Brust hat einen bestimmten Abstand zwischen Brustwarze und Falte, gemessen unter Dehnung der Haut. Bei einer kleinen Brust ist dieser Abstand kurz, oft 5 bis 6 Zentimeter. Ein Implantat braucht unterhalb der Brustwarze Platz für seinen unteren Anteil; bei einem Implantat mit 12 Zentimetern Basisbreite liegt der Mittelpunkt idealerweise hinter der Brustwarze, was etwa 6 Zentimeter Implantat unterhalb der Warze bedeutet, zuzüglich des Gewebes, das darüber liegt. Bleibt die Falte, wo sie ist, sitzt das Implantat zu hoch: Die Brustwarze zeigt nach unten, der obere Pol ist überfüllt und der untere flach. Der Zusammenhang zwischen Basisbreite und Brustkorb ist in unserem Beitrag zur Implantatposition und Dual-Plane-Technik beschrieben; die Falte ist der zweite Teil derselben Planung.
Wie die neue Position berechnet wird
Die meisten Chirurginnen und Chirurgen arbeiten mit einem gewebebasierten Planungssystem, das aus Messungen am Oberkörper das passende Implantat und die dazu gehörige Faltenposition ableitet. Die Eingangsgrößen:
- Basisbreite der Brust und daraus die Implantatbreite, unter Berücksichtigung der Gewebedicke am Rand.
- Hautdehnbarkeit (Skin Stretch): Wie weit lässt sich die Haut oberhalb der Brustwarze nach vorn ziehen? Straffe Haut verlangt ein flacheres Implantat und eine geringere Faltenverlegung.
- Abstand Brustwarze zur Falte unter maximaler Dehnung: der Wert, der mit dem Soll-Wert für das gewählte Implantat verglichen wird.
- Vorhandenes Brustgewebe und Sitz der Brustwarze in Bezug auf die Falte.
Für ein gegebenes Implantatvolumen und eine gegebene Breite nennt das System einen Zielabstand zwischen Brustwarze und Falte, typischerweise 7 bis 9,5 Zentimeter unter Dehnung, je nach Größe. Ist der gemessene Abstand kürzer, wird die Falte um die Differenz nach unten verlegt. Der Wert wird im Stehen angezeichnet, weil die Brust im Liegen anders fällt; warum das so ist, erklärt der Beitrag zur Anzeichnung vor der Brustoperation.
| Implantatvolumen (rund, moderates Profil) | Ungefährer Zielabstand Brustwarze bis Falte unter Dehnung |
|---|---|
| 200 bis 250 ml | etwa 7 bis 7,5 cm |
| 250 bis 300 ml | etwa 7,5 bis 8 cm |
| 300 bis 350 ml | etwa 8 bis 8,5 cm |
| 350 bis 400 ml | etwa 8,5 bis 9 cm |
Die Werte sind Orientierungsgrößen aus gängigen Planungssystemen und werden von jeder Operateurin an ihre Technik und an die Patientin angepasst. Sie zeigen vor allem, dass eine Vergrößerung um ein oder zwei Implantatgrößen meist eine spürbare Verlegung der Falte bedeutet.
Ein Beispiel: Eine Patientin mit 5,5 Zentimetern Abstand zwischen Brustwarze und Falte unter Dehnung wünscht ein Implantat von etwa 300 Millilitern. Der Zielabstand liegt bei rund 8 Zentimetern, die Falte wird also um etwa 2,5 Zentimeter nach unten verlegt. Wählt sie stattdessen 220 Milliliter, reicht eine Verlegung um etwa 1,5 Zentimeter, und bei sehr straffer Haut würde die Operateurin eher zu diesem Implantat raten, weil die kleinere Verlegung stabiler ist.
Wie die neue Falte im Gewebe hält
Eine Falte lässt sich nicht einfach dadurch verlegen, dass die Tasche tiefer präpariert wird. Die alte Falte ist eine Verwachsungszone zwischen Haut, Faszie und Brustwand; wird sie durchtrennt, ohne dass eine neue Verankerung geschaffen wird, kann das Implantat unter das Niveau der gewünschten Falte rutschen. Das ist das Bottoming Out, das unser Beitrag zu Implantat-Fehllagen beschreibt. Um das zu verhindern, gibt es drei Ansätze:
- Präzise Präparation bis genau zur angezeichneten Linie und Erhalt der tiefen Faszie unterhalb; die Tasche endet an der neuen Falte, nicht darunter.
- Nähte zur Faltenfixierung: Die tiefe Schicht der Haut wird mit mehreren Nähten an die Brustwandfaszie auf Höhe der neuen Falte fixiert, sodass eine neue Verwachsung entsteht.
- Stützmaterial: Bei sehr dünnem Gewebe oder bei Revisionen kann ein Netz oder eine azelluläre Matrix den unteren Pol abstützen; wann das sinnvoll ist, beschreibt der Beitrag zu Netzen und azellulären Matrices.
Wird die Falte nicht verlegt, sondern belassen, bleibt die alte Verwachsung erhalten, und die Tasche wird oberhalb davon angelegt. Das ist die stabilere Situation und ein Grund, warum bei straffer Haut und kleinem Wunschvolumen ein Implantat gewählt wird, das mit der bestehenden Falte auskommt.
Die Narbe und die Falte
Beim Zugang über die Unterbrustfalte soll die Narbe später in der neuen Falte liegen, nicht in der alten. Der Schnitt wird deshalb auf Höhe der geplanten neuen Falte gesetzt, was auf der unoperierten Brust etwas unterhalb der sichtbaren Falte liegen kann. Fällt die Planung zu vorsichtig aus und sitzt die Falte nach der Operation tiefer als der Schnitt, liegt die Narbe auf dem unteren Brustpol und ist von unten sichtbar. Fällt sie zu großzügig aus, liegt die Narbe auf dem Brustkorb unterhalb der Brust. Beides ist korrigierbar, aber mit einem weiteren Eingriff; die Sorgfalt bei der Anzeichnung ist deshalb kein Formalismus.
Was nach der Operation die Falte beeinflusst
In den ersten Wochen setzt sich das Implantat in die Tasche; ein anfänglich hoher Sitz normalisiert sich meist innerhalb von zwei bis drei Monaten. Ein Stütz-BH ohne Bügel, der die Falte von unten hält, unterstützt die Verwachsung der neuen Falte in dieser Zeit; wie lange und welcher, steht im Beitrag zu Kompression und Stütz-BH nach der Brustoperation. Schwere Implantate, dünnes Gewebe und ein früher Verzicht auf den Stütz-BH sind die häufigsten Gründe, warum eine Falte nachträglich absinkt.
Faltenplanung in unserer Beratung
Bei uns beginnt die Implantatplanung mit der Vermessung: Basisbreite, Hautdehnung, Abstand Brustwarze zur Falte unter Dehnung und Gewebedicke. Daraus leiten wir mit Ihnen ab, welches Implantat mit der bestehenden Falte auskommt und welches eine Verlegung verlangt, um wie viel, und was das für die Lage der Narbe bedeutet. Sie sehen die Anzeichnung im Stehen vor der Operation und erhalten die Messwerte schriftlich. Bei einer Verlegung fixieren wir die neue Falte mit Nähten an der Brustwand und besprechen mit Ihnen, ob Ihr Gewebe eine zusätzliche Abstützung braucht. Weitere Beiträge zu Operationstechniken finden Sie in der Rubrik Brustvergrößerung; einen Beratungstermin vereinbaren Sie über die Kontaktseite.