Der Eingriff beginnt mit einem Stift
Kurz vor einer Brustoperation stehen Sie im Vorbereitungsraum, und die Operateurin zeichnet mit einem Marker Linien auf Ihre Haut. Für viele Patientinnen wirkt das wie eine Formalität am Rand des eigentlichen Geschehens. Tatsächlich ist es einer der Momente, in denen über das spätere Ergebnis entschieden wird.
Die Anzeichnung überträgt den Operationsplan auf Ihren Körper. Sie legt fest, wo geschnitten wird, wie hoch der Brustwarzenkomplex zu liegen kommt, wie viel Gewebe entfernt oder verlagert wird und wo die Grenzen der Implantattasche verlaufen. Was hier ungenau ist, lässt sich im Liegen kaum noch korrigieren.
Warum im Stehen gezeichnet wird
Das ist der Kern der Sache. Die Brust ist ein weiches, bewegliches Organ, und ihre Form hängt vollständig von der Schwerkraft ab. Im Liegen verteilt sich das Gewebe zur Seite, die Brustwarze wandert nach außen und nach oben, und der Abstand zur Unterbrustfalte verändert sich.
Gesehen wird das Ergebnis aber im Stehen. Deshalb müssen alle Maße, die für die Symmetrie und für die Position entscheidend sind, in aufrechter Haltung genommen werden. Eine im Liegen festgelegte Brustwarzenposition wäre am Ende zu hoch oder zu weit außen, und das ist ein Fehler, der sich später nur mit einem weiteren Eingriff beheben lässt.
Aus demselben Grund werden Sie während der Anzeichnung gebeten, ruhig und gerade zu stehen, die Arme locker hängen zu lassen und sich nicht anzulehnen. Eine leicht verlagerte Haltung verschiebt die Linien, und die Asymmetrie, die daraus entsteht, ist keine Ihres Körpers, sondern eine der Vermessung.
Welche Punkte markiert werden
Die genauen Markierungen unterscheiden sich je nach Eingriff, einige Bezugspunkte kommen jedoch fast immer vor.
- Die Mittellinie des Körpers als gemeinsame Bezugsachse für beide Seiten
- Die Unterbrustfalte auf beiden Seiten, häufig mit ihrer Höhe im Verhältnis zueinander
- Die bestehende Position des Brustwarzenkomplexes und die geplante Position
- Die Meridianlinie, also die gedachte Mittellinie jeder Brust
- Der Verlauf des geplanten Schnitts
- Bei Implantaten die Grenzen der Tasche, in die das Implantat eingebracht wird
Bei Straffungen und Verkleinerungen kommen weitere Linien hinzu, die den zu entfernenden Gewebebereich abgrenzen. Die verschiedenen Muster, die dabei entstehen, entsprechen den unterschiedlichen Techniken, die wir in Straffungstechniken im Vergleich gegenüberstellen.
Asymmetrie wird sichtbar, nicht erzeugt
Für viele Patientinnen ist die Anzeichnung der Moment, in dem sie zum ersten Mal hören, dass ihre beiden Brüste unterschiedlich sind. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern der Normalfall: Nahezu jeder Mensch hat Seitenunterschiede in Größe, Form, Position der Unterbrustfalte oder Höhe der Brustwarze.
Im Alltag fällt das kaum auf, weil das Auge Symmetrie großzügig ergänzt. Auf der Haut mit Maßband und Stift wird es messbar. Genau dafür ist der Schritt da: Unterschiede werden erfasst, damit sie in der Planung berücksichtigt werden können, etwa durch unterschiedliche Implantatgrößen oder eine seitenweise angepasste Gewebemenge.
Es ist deshalb sinnvoll, in diesem Moment nachzufragen, welche Unterschiede festgestellt wurden und wie damit umgegangen wird. Ausgleichen lässt sich vieles, vollständige Symmetrie ist jedoch kein realistisches Ziel. Wie weit ein Ausgleich möglich ist, beschreiben wir in Brustasymmetrie ausgleichen.
Was währenddessen besprochen wird
Die Anzeichnung ist die letzte Gelegenheit für ein Gespräch über den Plan, bevor die Narkose beginnt. Nutzen Sie sie. Sinnvolle Fragen in diesem Moment sind konkret und kurz.
Wo genau verläuft der Schnitt, und wie lang wird die Narbe voraussichtlich? Wohin kommt die Brustwarze im Vergleich zu jetzt? Welche Unterschiede zwischen links und rechts haben Sie festgestellt? Was ist der Plan, falls sich während der Operation zeigt, dass etwas anders liegt als erwartet?
Die letzte Frage ist die, die am seltensten gestellt wird und am meisten Klarheit schafft. Es kommt vor, dass sich intraoperativ eine Anpassung anbietet, etwa eine andere Implantatgröße innerhalb eines vorher besprochenen Rahmens. Was in Ihrem Sinne ist, sollten Sie vorher gesagt haben, nicht danach.
Was schon im Vorgespräch vermessen wird
Die Anzeichnung am Operationstag ist nicht die erste Vermessung. Bereits im Beratungsgespräch werden Maße genommen, die in die Planung einfließen und die Auswahl eines Implantats mitbestimmen.
Dazu gehören unter anderem die Breite der Brustbasis, der Abstand vom Schlüsselbein zur Brustwarze, der Abstand von der Brustwarze zur Unterbrustfalte und die Dehnbarkeit der Haut. Die Basisbreite ist dabei besonders wichtig, weil ein Implantat, das breiter ist als die vorhandene Basis, seitlich über den natürlichen Ansatz hinausreicht und dadurch unruhige Konturen erzeugt.
Diese Maße sind auch der Grund, warum die Frage nach einer bestimmten Körbchengröße im Beratungsgespräch selten zufriedenstellend beantwortet wird. Körbchengrößen sind nicht genormt und beschreiben ein Verhältnis, nicht ein Volumen. Die Planung erfolgt daher über Millimeter und Milliliter, nicht über Buchstaben.
Wenn Sie eine Vorstellung vom Ergebnis bekommen möchten, sind Anproben mit Probeimplantaten und ein Vergleich anhand von Fotos aussagekräftiger als jede Größenangabe.
Wenn die Anzeichnung sehr knapp ausfällt
Nicht jeder Eingriff erfordert dieselbe Anzahl an Linien. Eine unkomplizierte Vergrößerung bei symmetrischem Ausgangsbefund braucht weniger Markierungen als eine Straffung mit Verlagerung des Brustwarzenkomplexes. Eine sparsame Anzeichnung ist deshalb nicht automatisch ein Warnsignal.
Stutzig werden sollten Sie dennoch, wenn überhaupt nicht im Stehen gezeichnet oder gemessen wird, wenn niemand mit Ihnen über die Markierungen spricht, oder wenn Ihre Frage nach der geplanten Position ausweichend beantwortet wird.
Sie dürfen sich die Linien im Spiegel ansehen, bevor es weitergeht. Das ist üblich, kostet eine Minute und ist der letzte Moment, in dem ein Missverständnis über Seite, Höhe oder Schnittführung ohne Folgen ausgeräumt werden kann.
Was Sie zur Vorbereitung beitragen können
Ein paar praktische Punkte erleichtern diesen Schritt.
Verzichten Sie am Operationstag auf Cremes, Öle und Lotionen im Brustbereich, weil der Marker darauf nicht zuverlässig hält und die Linien verwischen. Tragen Sie in den Tagen davor keinen zu engen Bügel-BH, der tiefe Abdrücke hinterlässt, da diese die Beurteilung der Unterbrustfalte stören können.
Waschen Sie die angezeichneten Linien nicht ab, wenn Sie nach der Markierung noch einmal duschen sollen; halten Sie in dem Fall Rücksprache, in welcher Reihenfolge beides erfolgt. Und melden Sie es, wenn Sie sich beim Stehen unwohl fühlen oder Ihnen schwindelig wird, statt es auszuhalten. Eine ungenaue Haltung kostet mehr als eine kurze Pause.
Nach der Anzeichnung
Die Linien verschwinden in den ersten Tagen nach dem Eingriff von selbst. Manche Operateurinnen fotografieren die Anzeichnung zur Dokumentation, was für den späteren Verlauf und für Vergleiche nützlich ist. Wenn Sie diese Aufnahmen für Ihre Unterlagen möchten, fragen Sie danach.
Zusammengefasst: Die Anzeichnung ist kein Ritual, sondern die Übertragung des Plans auf Ihren Körper unter den Bedingungen, unter denen das Ergebnis später gesehen wird. Wer sie aufmerksam miterlebt und Fragen stellt, geht mit einem klareren Bild in die Operation.
Weitere Beiträge zu Techniken und Abläufen finden Sie in der Rubrik Allgemeine Informationen. Für Fragen zu Ihrem geplanten Eingriff erreichen Sie uns über unser Kontaktformular. Eine verbindliche Planung erfolgt ausschließlich im persönlichen ärztlichen Gespräch.