Die Größe steht fest, oder doch nicht ganz?
Vor einer Brustvergrößerung wird die Implantatgröße sorgfältig geplant: Brustkorb und Gewebe werden vermessen, im Beratungsgespräch probieren Sie Sizer im BH, und manche Praxen zeigen eine 3D-Simulation. Trotzdem erleben viele Chirurginnen und Chirurgen, dass sich eine Brust im Operationssaal etwas anders verhält als am Maßband. Die Haut dehnt sich mehr oder weniger als erwartet, die Tasche fällt minimal anders aus, oder eine Seite braucht etwas mehr Volumen. Für diesen Moment gibt es ein bewährtes Werkzeug: den intraoperativen Sizer, kombiniert mit einer Kontrolle im Sitzen. Dieser Beitrag erklärt, wie das abläuft, welchen Nutzen es hat und was Sie vorher dazu vereinbaren sollten.
Was ein Sizer im OP ist
Ein intraoperativer Sizer ist ein Probeimplantat, das in Form und Größe dem späteren Implantat entspricht, aber nur für wenige Minuten in die Tasche eingelegt wird. Es gibt zwei Grundtypen:
- Feste Sizer: Sie haben ein definiertes Volumen und entsprechen einem bestimmten Implantatmodell. Hersteller bieten sie passend zu ihren Produktlinien an. Sie werden sterilisiert oder sind als Einmalprodukt verpackt.
- Befüllbare Sizer: Sie werden über ein Ventil schrittweise mit steriler Kochsalzlösung gefüllt. So lässt sich das Volumen in kleinen Schritten verändern und ablesen, bei welcher Füllmenge das Ergebnis am besten passt.
Der Sizer ersetzt nicht die Planung vor der Operation. Er dient dazu, die geplante Größe unter realen Bedingungen zu überprüfen und gegebenenfalls innerhalb eines vorher besprochenen Rahmens anzupassen.
Der Ablauf im Operationssaal
Nach dem Hautschnitt präpariert die Chirurgin die Implantattasche in der geplanten Lage, über oder unter dem Brustmuskel. Dann folgt, wenn ein Sizer verwendet wird, dieser Ablauf:
- Der Sizer wird in die Tasche eingelegt, bei befüllbaren Modellen auf das geplante Volumen gefüllt.
- Die Tasche wird mit einigen Hautklammern oder Nähten vorübergehend verschlossen, damit die Form realistisch beurteilt werden kann.
- Der OP-Tisch wird so verstellt, dass Ihr Oberkörper aufrecht sitzt. Die Narkose bleibt dabei stabil, Kopf und Arme werden gesichert.
- Im Sitzen werden Form, Symmetrie, Lage der Unterbrustfalte und Abstand zwischen den Brüsten beurteilt, oft zusätzlich mit Markierungen und Maßband.
- Bei Bedarf wird die Tasche nachpräpariert oder das Volumen angepasst, dann erneut kontrolliert.
- Erst wenn das Ergebnis stimmt, wird der Sizer entfernt und das endgültige Implantat aus seiner sterilen Verpackung geöffnet und eingesetzt.
Die Kontrolle im Sitzen ist wichtig, weil sich die Brust im Liegen nach außen und oben verschiebt. Asymmetrien der Unterbrustfalte oder eine zu hoch sitzende Tasche fallen oft erst im Sitzen auf. Warum die Unterbrustfalte so genau geplant wird, erklärt der Beitrag zur Unterbrustfalte bei der Brustvergrößerung, und wie die Anzeichnung im Stehen dafür die Grundlage legt, beschreibt der Beitrag zur Anzeichnung vor der Brustoperation.
Vorteile und mögliche Nachteile
| Aspekt | Was dafür spricht | Was zu bedenken ist |
|---|---|---|
| Größenwahl | Überprüfung unter realen Gewebebedingungen | Das Ergebnis direkt nach dem Einsetzen ist noch nicht das Endergebnis, Schwellung und Muskelspannung verändern die Form |
| Symmetrie | Unterschiede zwischen den Seiten werden sichtbar, bevor das Implantat sitzt | Eine perfekte Symmetrie ist auch damit nicht erreichbar |
| Implantat | Das endgültige Implantat wird erst geöffnet, wenn die Größe feststeht | Erfordert, dass mehrere Größen vorrätig sind |
| Tasche | Die Tasche kann gezielt nachgearbeitet werden | Zusätzliches Einführen und Entfernen bedeutet mehr Manipulation im Gewebe |
| Operationsdauer | Mehr Sicherheit bei der Größenwahl | Die Operation dauert etwas länger |
Einige Chirurgen verzichten bewusst auf Sizer im OP, um die Tasche möglichst wenig zu berühren, und verlassen sich auf eine sehr genaue Planung vorab. Andere nutzen sie regelmäßig. Beide Vorgehensweisen sind in der Praxis verbreitet. Wie die Tasche möglichst keimarm behandelt wird, lesen Sie im Beitrag zur No-Touch-Technik.
Warum das Bild im OP noch nicht das Endergebnis ist
Auch mit Sizer und Sitzprobe zeigt der Operationssaal nur eine Momentaufnahme. Liegt das Implantat ganz oder teilweise unter dem Brustmuskel, drückt der Muskel es in den ersten Wochen nach oben, und der obere Brustpol wirkt voller als später. Schwellungen lassen die Brust zunächst größer erscheinen. Erst wenn sich Haut und Muskel an das Implantat gewöhnt haben, senkt es sich in seine endgültige Position. Erfahrene Chirurginnen berücksichtigen das bei der Beurteilung im Sitzen und streben nicht an, dass die Brust auf dem OP-Tisch bereits so aussieht wie nach einem halben Jahr. Für Sie bedeutet das: Geben Sie dem Ergebnis Zeit, bevor Sie Größe und Form endgültig bewerten.
Den Spielraum vorher vereinbaren
Ein Sizer ist nur dann hilfreich, wenn vorher klar ist, wie weit die Chirurgin von der geplanten Größe abweichen darf. Sie sind während der Operation in Narkose und können nicht gefragt werden. Deshalb gehört diese Absprache in das Aufklärungsgespräch und idealerweise in die schriftliche Dokumentation:
- Welches Implantat ist geplant, mit Modell, Form, Profil und Volumen?
- Welche Größen werden zusätzlich bereitgehalten, eine Stufe kleiner und größer?
- Darf die Chirurgin innerhalb dieses Rahmens entscheiden, oder soll in jedem Fall die geplante Größe eingesetzt werden?
- Dürfen links und rechts unterschiedliche Größen gewählt werden, wenn die Symmetrie das erfordert?
- Gibt es eine Obergrenze, die auf keinen Fall überschritten werden soll?
Viele Patientinnen haben eine klare Vorstellung, vor allem nach oben. Wenn Sie auf keinen Fall größer als geplant werden möchten, sagen Sie das deutlich. Umgekehrt kann es sinnvoll sein, der Chirurgin einen kleinen Spielraum zu lassen, wenn sich im OP zeigt, dass eine Seite etwas mehr Volumen braucht.
Was nach der Operation dokumentiert wird
Im Operationsbericht und im Implantatpass steht das tatsächlich eingesetzte Implantat, nicht das geplante. Weicht es ab, sollte der Grund im Bericht vermerkt sein. Lassen Sie sich die Daten beider Seiten bei der Entlassung zeigen und fragen Sie nach, falls etwas anders ist als besprochen. Diese Angaben brauchen Sie später für Kontrollen und einen möglichen Wechsel.
Größenplanung in unserer Praxis
In unserer Beratung zur Brustvergrößerung legen wir gemeinsam mit Ihnen ein Wunschimplantat und einen klaren Rahmen fest: welche Größen bereitliegen, ob und wie weit im OP angepasst werden darf und wo Ihre Grenze liegt. Diese Vereinbarung halten wir schriftlich fest, damit Sie wissen, was Sie nach dem Aufwachen erwartet. Weitere Beiträge zur Operation finden Sie in der Rubrik Brustvergrößerung, einen Termin vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite.