Nicht jede Frau, die ihre Implantate wechseln lässt, möchte wieder dieselbe Größe. Viele wünschen sich nach Jahren eine kleinere, leichtere Brust: weil sich der Lebensstil geändert hat, weil das Gewicht der Implantate stört oder weil das ursprüngliche Volumen nicht mehr zum Körper passt. Der Wechsel auf ein kleineres Implantat klingt einfach. Technisch ist er aber oft anspruchsvoller als ein Wechsel auf dieselbe oder eine größere Größe.
Der Grund liegt in der Tasche, in der das alte Implantat liegt. Sie ist auf das größere Implantat abgestimmt und mit der Zeit von einer Kapsel ausgekleidet worden. Ein kleineres Implantat hat darin zu viel Platz. Dieser Beitrag erklärt, wie Chirurginnen die Tasche mit einer sogenannten Kapsulorrhaphie anpassen, wann eine zusätzliche Straffung nötig wird und welche Fragen Sie vor dem Eingriff klären sollten. Er ersetzt keine Untersuchung. Was bei Ihnen möglich ist, hängt von Ihrem Gewebe und Ihren Implantaten ab.
Warum ein kleineres Implantat nicht einfach in die alte Tasche passt
Um jedes Implantat bildet der Körper eine dünne Bindegewebskapsel. Sie umschließt das Implantat und hält es an seinem Platz. Wird ein großes Implantat gegen ein kleineres getauscht, bleibt die Kapsel zunächst so groß wie zuvor. Das neue Implantat kann sich darin bewegen, nach unten oder zur Seite rutschen oder sich drehen. Bei anatomisch geformten Implantaten wäre das besonders ungünstig.
Hinzu kommt die Haut. Ein großes Implantat dehnt die Haut über Jahre. Wird das Volumen verringert, zieht sich die Haut nicht immer vollständig zurück. Das Ergebnis kann eine weichere, leerere oder hängende Brust sein. Wie stark das ausfällt, hängt von der Größe der alten Implantate, der Dauer, der Hautqualität und dem Alter ab.
Häufige Gründe für eine kleinere Größe
Die Beweggründe sind sehr unterschiedlich, und sie beeinflussen die Planung. Manche Frauen haben Nacken- oder Rückenbeschwerden, die sie mit dem Gewicht der Implantate in Verbindung bringen. Andere treiben inzwischen mehr Sport und empfinden die Brust als hinderlich. Wieder andere möchten nach einer Schwangerschaft oder einem Gewichtsverlust ein Ergebnis, das besser zu ihrem veränderten Körper passt. Erzählen Sie im Gespräch offen, was Sie stört. Davon hängt ab, wie stark das Volumen verringert werden sollte und welche Eigenschaften das neue Implantat haben muss.
Was eine Kapsulorrhaphie ist
Bei einer Kapsulorrhaphie wird die bestehende Kapsel mit Nähten verkleinert oder umgeformt. Die Chirurgin rafft dabei die Kapselwand an den Stellen, an denen die Tasche zu weit geworden ist, und näht sie in der gewünschten Form zusammen. Die Tasche wird so passend für das neue, kleinere Implantat.
- Seitliche Kapsulorrhaphie: begrenzt die Tasche zur Achsel hin, wenn die Implantate im Liegen weit zur Seite fallen.
- Untere Kapsulorrhaphie: hebt den unteren Rand der Tasche an und sichert die Unterbrustfalte, wenn das Implantat zu tief sitzt.
- Mediale Kapsulorrhaphie: begrenzt die Tasche zur Brustmitte, wenn die Implantate zu nah zusammenstehen.
Oft werden diese Techniken kombiniert. Wie die Unterbrustfalte geplant und gesichert wird, beschreibt der Beitrag zur Unterbrustfalte bei der Brustvergrößerung.
Alternativen zur Kapsulorrhaphie
Ist die alte Kapsel verdickt oder verhärtet, wird sie häufig ganz oder teilweise entfernt, statt sie zu raffen. Manchmal ist auch ein Wechsel der Taschenebene sinnvoll, bei dem das neue Implantat in einer frischen Tasche vor oder hinter dem Brustmuskel liegt. Mehr dazu im Beitrag zum Taschenwechsel beim Implantatwechsel. In bestimmten Situationen werden auch Netze oder Matrices als zusätzliche Stütze verwendet.
Wann eine Straffung dazukommt
Eine Kapsulorrhaphie passt die Tasche an, aber nicht die Haut. Wenn nach dem Verkleinern zu viel Haut übrig bleibt oder die Brustwarze zu tief sitzt, wird zusätzlich eine Straffung empfohlen. Typische Hinweise darauf sind:
- Die Brustwarze liegt auf Höhe oder unterhalb der Unterbrustfalte.
- Die Haut ist dünn, mit Dehnungsstreifen und wenig Elastizität.
- Das Volumen soll deutlich verringert werden, etwa um mehr als ein Drittel.
- Es wurden über viele Jahre große Implantate getragen.
Eine Straffung bedeutet zusätzliche Narben. Je nach Ausmaß reicht ein Schnitt um den Warzenhof, oder es ist ein senkrechter Schnitt bis zur Unterbrustfalte nötig. Manchmal wird die Straffung in einem zweiten Schritt geplant, wenn sich die Haut nach dem Wechsel noch etwas zurückgezogen hat. Welche Straffungstechniken es gibt, erklärt der Beitrag zum Vergleich der Straffungstechniken.
Die Wahl des neuen Implantats
Bei einem Wechsel auf eine kleinere Größe zählt nicht nur das Volumen. Auch die Basisbreite spielt eine Rolle: Ein deutlich schmaleres Implantat in einer breiten Brust kann die Ränder der Brust leer wirken lassen. Oft wird deshalb ein Implantat mit ähnlicher Breite, aber geringerer Projektion gewählt. Das reduziert das Volumen und füllt die Brust trotzdem gleichmäßig aus.
Manche Frauen wählen auch eine Kombination aus kleinerem Implantat und Eigenfett, um Übergänge weicher zu gestalten. Ob das bei Ihnen sinnvoll ist, hängt davon ab, wie viel Fettgewebe sich an anderer Stelle gewinnen lässt.
Ablauf und Erholung
Der Wechsel mit Kapsulorrhaphie erfolgt in Vollnarkose. Meist wird über die alte Narbe operiert, also häufig in der Unterbrustfalte. Das alte Implantat wird entfernt, die Kapsel beurteilt und bei Bedarf eine Probe entnommen, dann wird die Tasche angepasst und das neue Implantat eingesetzt. Kommt eine Straffung hinzu, verlängert sich die Operation.
Die Nähte in der Kapsel brauchen Zeit, um zu halten. Deshalb ist die Schonphase oft etwas strenger als nach einem einfachen Wechsel. Ihre Praxis wird Ihnen einen Stütz-BH verordnen und sagen, wann Sie Arme und Oberkörper wieder belasten dürfen. Wie die Heilung in den ersten Wochen typischerweise verläuft, beschreibt der Beitrag zum Heilungsverlauf nach der Brust-OP.
Was realistisch zu erwarten ist
Eine Verkleinerung kann eine Brust leichter, natürlicher und proportionierter machen. Sie stellt aber nicht den Zustand vor der ersten Operation wieder her. Die Brust kann weicher oder etwas weniger voll im oberen Bereich wirken als mit den alten Implantaten. Auch die Nähte in der Kapsel können sich mit der Zeit lockern, sodass sich das Implantat erneut verschiebt und eine weitere Korrektur nötig wird. Diese Möglichkeiten sollten im Aufklärungsgespräch offen angesprochen werden.
Fragen für Ihre Beratung
- Reicht bei mir eine Kapsulorrhaphie, oder brauche ich zusätzlich eine Straffung?
- Soll die alte Kapsel erhalten, gerafft oder entfernt werden?
- Welche Breite und Projektion empfehlen Sie für das neue Implantat?
- Kann die Straffung in einem zweiten Schritt erfolgen, wenn sich die Haut erholt?
- Wie lange muss ich mich nach dem Eingriff schonen?
Implantatwechsel bei uns
Bei einem Wechsel auf kleinere Implantate untersuchen wir Haut, Kapsel und Lage der alten Implantate und besprechen mit Ihnen, welche Größe zu Ihrem Brustkorb passt. Wir erklären, ob eine Kapsulorrhaphie ausreicht oder ob eine Straffung sinnvoll ist, und planen den Eingriff so, dass Sie wissen, welche Narben entstehen. Weitere Beiträge finden Sie in der Kategorie Implantat-Wechsel. Für einen Beratungstermin schreiben Sie uns über die Kontaktseite.