Thromboseprophylaxe bei der Brust-OP: Risikoeinschätzung, Strümpfe, Heparin und frühes Aufstehen
Eine Thrombose ist bei Brustoperationen selten, und genau deshalb wird sie im Aufklärungsgespräch manchmal in einem Halbsatz erledigt. Dabei ist die Lungenembolie eine der wenigen Komplikationen ästhetischer Eingriffe, die lebensbedrohlich sein kann, und ihr Risiko lässt sich mit einfachen Maßnahmen deutlich senken. Welche dieser Maßnahmen bei Ihnen sinnvoll sind, hängt von Ihrem persönlichen Risiko, von der Dauer der Operation und von der Art des Eingriffs ab. Dieser Beitrag erklärt, wie das Risiko eingeschätzt wird, welche Maßnahmen es gibt, was davon in der Brustchirurgie üblich ist, und was Sie selbst vor und nach der Operation beitragen können. Die Entscheidung über Ihre Prophylaxe trifft das Team aus Chirurgin und Anästhesist auf Grundlage Ihrer Angaben.
Warum Operationen das Risiko erhöhen
Drei Faktoren begünstigen die Bildung eines Blutgerinnsels in den tiefen Beinvenen: verlangsamter Blutfluss, eine Neigung des Blutes zur Gerinnung und eine Schädigung der Gefäßwand. Eine Operation in Vollnarkose bringt alle drei mit: Sie liegen still, die Muskelpumpe der Beine ruht, der Körper reagiert auf den Eingriff mit einer erhöhten Gerinnungsbereitschaft, und die Narkose weitet die Venen. Je länger die Operation, desto größer der Effekt. Eine Brustvergrößerung dauert meist ein bis zwei Stunden; eine Straffung oder eine kombinierte Operation mit Eigenfett kann deutlich länger dauern und liegt damit in einer höheren Risikoklasse.
Wie das Risiko eingeschätzt wird
In der plastischen Chirurgie ist die Risikoeinschätzung nach Caprini verbreitet. Sie vergibt Punkte für Faktoren aus Ihrer Vorgeschichte und aus dem geplanten Eingriff und ordnet die Summe einer Risikoklasse zu, aus der die Prophylaxe folgt. Faktoren, die in die Bewertung eingehen:
| Faktor | Beispiele |
|---|---|
| Alter | Punkte steigen ab etwa 40, 60 und 75 Jahren |
| Hormone | Kombinierte Pille, Hormonersatztherapie, Schwangerschaft und Wochenbett |
| Körpergewicht | BMI über 25, stärker über 30 |
| Eigene Vorgeschichte | Frühere Thrombose oder Embolie, bekannte Gerinnungsstörung (Faktor-V-Leiden und andere), Krampfadern |
| Familie | Thrombosen bei nahen Verwandten |
| Begleiterkrankungen | Krebserkrankung, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Herzinsuffizienz, kürzliche Infektion |
| Eingriff | Dauer über 45 Minuten, Kombinationseingriffe, Eigenfettentnahme an Bauch und Beinen |
| Bewegung | Bettlägerigkeit, lange Reise vor oder nach der Operation, Gipsverband |
| Rauchen | Erhöht das Risiko zusätzlich, auch wenn es in manchen Scores nicht einzeln gezählt wird |
Beantworten Sie die Fragen dazu im Anamnesebogen vollständig; welche Fragen dort gestellt werden, beschreibt der Beitrag zu präoperativen Untersuchungen und Vorbereitung. Eine Thrombose in der Familie oder eine frühere Thrombose nach einer Verletzung sind Angaben, die oft vergessen werden und die die Einstufung verändern.
Die Maßnahmen
- Frühmobilisation: Aufstehen und einige Schritte gehen am Tag der Operation, sobald der Kreislauf es zulässt. Die Muskelpumpe der Waden ist die wirksamste Einzelmaßnahme und gilt für jede Risikoklasse.
- Kompressionsstrümpfe: Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe, angezogen vor der Operation und getragen, bis Sie wieder normal gehen. Bei ambulanten Eingriffen meist wenige Tage, bei längeren Eingriffen länger.
- Intermittierende pneumatische Kompression: Manschetten an den Unterschenkeln, die während der Operation rhythmisch aufgepumpt werden und den Blutfluss anregen. In vielen Kliniken Standard bei Eingriffen über einer Stunde.
- Niedermolekulares Heparin: Eine Spritze unter die Haut, meist am Abend nach der Operation begonnen und je nach Risiko einige Tage bis zwei Wochen fortgeführt. Wird ab mittlerem Risiko empfohlen; bei niedrigem Risiko wird sie gegen das leicht erhöhte Nachblutungsrisiko abgewogen, das bei einer frischen Implantattasche ins Gewicht fällt.
- Absetzen von Hormonen: Die kombinierte Pille erhöht das Thromboserisiko; viele Operateure empfehlen, sie vier Wochen vor einem längeren Eingriff abzusetzen, bei einer kurzen Brustvergrößerung wird das unterschiedlich gehandhabt. Sprechen Sie das an und klären Sie eine andere Verhütung für die Zwischenzeit.
Die Kombination richtet sich nach der Risikoklasse: Bei niedrigem Risiko reichen Mobilisation und Strümpfe, ab mittlerem Risiko kommen Kompressionsmanschetten und meist Heparin dazu, bei hohem Risiko wird die Heparingabe verlängert und die Operation gegebenenfalls stationär geplant. Was für einen ambulanten und einen stationären Ablauf spricht, beschreibt der Beitrag zur ambulanten oder stationären Brust-OP.
Heparin und Nachblutung: die Abwägung
Die Zurückhaltung mancher Operateure gegenüber Heparin bei kurzen Brustvergrößerungen hat einen nachvollziehbaren Grund. Ein Hämatom in der Implantattasche in den ersten Tagen ist die häufigste frühe Komplikation, es verlangt oft eine erneute Operation zur Ausräumung und gilt als Risikofaktor für eine spätere Kapselfibrose. Gerinnungshemmende Medikamente erhöhen dieses Risiko leicht. Auf der anderen Seite steht die Lungenembolie, die viel seltener, aber weit gefährlicher ist. Die Lösung ist keine pauschale Regel, sondern die Einstufung: Bei einer gesunden, normalgewichtigen Patientin ohne Hormoneinnahme und einer Operation unter einer Stunde ist das Thromboserisiko so gering, dass Strümpfe und Mobilisation ausreichen und Heparin mehr Nachteil als Nutzen brächte. Bei einer Patientin mit Pille, Übergewicht und einer kombinierten Straffung mit Eigenfett über drei Stunden sieht die Rechnung anders aus. Was bei einer Nachblutung geschieht und wie sie erkannt wird, beschreibt der Beitrag zu Wundheilung und frühen Komplikationen.
Beginn und Dauer der Heparingabe
Wird Heparin eingesetzt, beginnt die erste Gabe in der Regel nicht vor, sondern einige Stunden nach der Operation, wenn die Blutstillung gesichert ist. Die Dauer richtet sich nach dem Risiko und der Mobilität: Wer am zweiten Tag wieder normal geht, braucht bei mittlerem Risiko meist nur wenige Tage; bei hohem Risiko oder eingeschränkter Bewegung werden zehn bis vierzehn Tage empfohlen. Die Spritzen können Sie nach Anleitung selbst setzen.
Was Sie selbst tun können
- Nennen Sie alle Risikofaktoren, auch die, die Ihnen unwichtig erscheinen, und alle Medikamente einschließlich Hormonpräparaten.
- Vermeiden Sie in den zwei Wochen vor und nach der Operation lange Flüge und Autofahrten ohne Pausen. Wer zur Operation anreist, sollte die Reise mit dem Team besprechen.
- Trinken Sie nach der Operation ausreichend und gehen Sie mehrmals täglich einige Minuten, auch wenn die Brust schmerzt. Fußwippen im Sitzen hilft, wenn Gehen noch schwerfällt.
- Tragen Sie die Strümpfe so lange, wie es Ihnen gesagt wurde, und nehmen Sie die Heparinspritzen vollständig, auch wenn Sie sich gut fühlen.
- Kennen Sie die Warnzeichen: einseitige Schwellung, Schmerz oder Wärme in einem Bein, plötzliche Atemnot, Brustschmerz beim Einatmen, Herzrasen. In diesem Fall Notruf, nicht die Praxis.
Wie wir die Prophylaxe planen
Vor jeder Brustoperation erheben wir Ihr Thromboserisiko mit einem strukturierten Fragebogen nach dem Caprini-Schema und legen die Prophylaxe gemeinsam mit der Anästhesie fest. Kompressionsstrümpfe und Frühmobilisation gehören bei uns zu jedem Eingriff, pneumatische Kompression während der Operation ab einer Stunde Dauer, niedermolekulares Heparin ab mittlerem Risiko mit einer an das Nachblutungsrisiko angepassten Dauer. Sie erhalten die Einstufung und den Plan schriftlich, inklusive der Empfehlung zur Pille und zu Reisen. Weitere Beiträge zu Ablauf und Nachsorge finden Sie in der Rubrik Nachsorge und Heilung; Fragen zu Ihrem persönlichen Risiko klären wir vor der Terminvereinbarung über die Kontaktseite.