Wenn es nicht die Brust, sondern die Brustwarze betrifft.
Nicht jede Unzufriedenheit mit der Brust betrifft Größe oder Form. Häufig geht es um einen deutlich kleineren Bereich: um Brustwarzen, die nach innen gezogen sind, um einen Warzenhof, der als zu groß empfunden wird, oder um Brustwarzen, die stark hervorstehen. Diese Eingriffe sind kleiner als eine Augmentation oder Straffung, haben eigene Techniken und werden oft in örtlicher Betäubung durchgeführt.
Dieser Beitrag beschreibt die gängigen Verfahren, ihre Voraussetzungen, den Ablauf und die Grenzen. Er erklärt darüber hinaus, warum die Frage nach einem späteren Stillwunsch bei diesen Eingriffen mehr Gewicht hat als bei den meisten anderen Brustoperationen.
Schlupfwarzen: Ursache und Einteilung
Bei einer Schlupfwarze, fachlich als Mamilleninversion bezeichnet, liegt die Brustwarze nicht erhaben, sondern ist ganz oder teilweise nach innen gezogen. Ursache sind verkürzte Milchgänge und straffe Bindegewebszüge, die von innen ziehen. Die Anlage ist meist angeboren und tritt häufig beidseitig auf, wenn auch selten gleich stark ausgeprägt.
In der Praxis wird nach dem Ausmaß unterschieden:
- Grad 1: Die Brustwarze lässt sich durch Reiz oder mit den Fingern hervorholen und bleibt eine Zeit lang draußen. Der Zug ist gering.
- Grad 2: Sie lässt sich hervorholen, zieht sich aber sofort wieder zurück. Der Zug ist deutlich, die Milchgänge sind verkürzt.
- Grad 3: Sie lässt sich kaum oder gar nicht hervorholen. Das Gewebe ist ausgeprägt verkürzt und teils vernarbt.
Diese Einteilung bestimmt das Verfahren und die Aussage zur Stillfähigkeit. Bei Grad 1 lässt sich häufig gewebeschonend arbeiten. Bei Grad 3 ist hingegen eine Durchtrennung von Milchgängen kaum zu vermeiden.
Wann eine neu aufgetretene Einziehung abgeklärt wird?
Wichtig ist eine klare Abgrenzung: Eine Brustwarze, die seit der Pubertät eingezogen ist, stellt eine anatomische Variante dar. Eine neu auftretende Einziehung, die sich einseitig entwickelt oder von Hautveränderungen oder Sekretion begleitet wird, sollte ärztlich abgeklärt werden, bevor über eine Korrektur gesprochen wird. Das ist kein Grund zur Beunruhigung, aber es ist ein Punkt, der zuerst geklärt werden sollte.
Die Verfahren bei Schlupfwarzen
Alle Techniken verfolgen dasselbe Ziel: den inneren Hautzug aufzuheben und die Brustwarzen in ihrer neuen Position stabil zu machen. Sie unterscheiden sich in dem Umfang, in dem Gewebe durchtrennt wird.
- Erhaltende Technik: Über einen kleinen Schnitt am Rand des Warzenhofs werden die straffen Bindegewebszüge gelöst, die Milchgänge bleiben erhalten. Möglich vor allem bei Grad 1 und teils Grad 2. Der Vorteil liegt in der erhaltenen Funktion, der Nachteil in einer höheren Rückfallneigung.
- Durchtrennende Technik: Die verkürzten Milchgänge werden durchtrennt, wodurch der Zug vollständig entfällt. Das Ergebnis ist stabiler, eine spätere Stillfähigkeit über diese Gänge ist damit jedoch nicht mehr gegeben. Üblich bei Grad 3.
- Stützende Verfahren: Ergänzend werden lokale Gewebelappen genutzt, um die Brustwarze von innen zu unterfüttern und ein erneutes Einziehen zu erschweren.
Der Eingriff dauert meist unter einer Stunde und erfolgt häufig ambulant in örtlicher Betäubung. Die Schnitte liegen am Übergang zwischen Warzenhof und Haut, wo Narben durch den Farbunterschied gut kaschiert werden. Zur allgemeinen Narbenentwicklung passt der Beitrag zur Narbenpflege nach Brustoperationen.
Verkleinerung des Warzenhofs
Ein Warzenhof, der als zu groß empfunden wird, kann verkleinert werden. Dies geschieht durch die Entfernung eines ringförmigen Hautstreifens am äußeren Rand. Die Wunde wird anschließend mit einer besonderen Nahttechnik verschlossen. Hierfür wird meist ein nicht dehnbares Fadenmaterial verwendet, das den Durchmesser dauerhaft hält. Ohne diese Maßnahme würde die Haut nachgeben.
Was dabei zu bedenken ist:
- Die Narbe verläuft um den Warzenhof herum. Bei einer guten Heilung ist sie durch den Farbübergang nur wenig auffällig.
- Eine leichte Fältelung der umgebenden Haut ist in den ersten Monaten üblich und glättet sich in der Regel.
- Der Durchmesser wird nicht willkürlich klein gewählt, sondern entsprechend der Brustgröße.
- Wenn die Brust gleichzeitig hängt, ist die alleinige Verkleinerung selten die passende Lösung.
Der letzte Punkt ist der häufigste Grund für Enttäuschung. Ein großer Warzenhof geht oft mit einer Erschlaffung des Gewebes einher, und dann bringt eine reine Verkleinerung wenig. In diesen Fällen ist eine Bruststraffung das Verfahren, bei dem die Verkleinerung ohnehin enthalten ist. Wann eine Kombination sinnvoll ist, steht im Beitrag zu Bruststraffung und Brustvergrößerung.
Hervorstehende Brustwarzen
Auch das Gegenteil kommt vor: Brustwarzen, die dauerhaft stark hervorstehen und unter Kleidung als störend empfunden werden. Hier wird über einen kleinen Zugang Gewebe aus dem Inneren der Brustwarzen entfernt und die Höhe reduziert. Der Eingriff ist klein, jedoch nimmt die Rückbildung der Schwellung einige Wochen in Anspruch. Daher ist das Ergebnis nicht sofort zu beurteilen.
Was Sie vorher wissen sollten
Für alle diese Eingriffe gelten eine Reihe gemeinsamer Punkte:
- Sensibilität: Die Brustwarze ist stark innerviert. Ein vorübergehend verändertes Gefühl ist häufig, eine bleibende Veränderung möglich. Dieses Risiko gehört zur Aufklärung.
- Stillfähigkeit: Bei durchtrennenden Techniken ist Stillen über die betroffenen Gänge nicht mehr möglich. Wenn ein Kinderwunsch besteht, sprechen Sie ihn ausdrücklich an, bevor die Technik gewählt wird.
- Rückfall: Bei erhaltenden Techniken kann sich die Brustwarze erneut einziehen. Eine Zweitkorrektur ist dann möglich, meist mit einer durchtrennenden Technik.
- Durchblutung: Nikotin verschlechtert die Durchblutung der Brustwarze deutlich. Eine Rauchpause vor und nach dem Eingriff wird ausdrücklich empfohlen.
- Symmetrie: Ein vollständiger Ausgleich beider Seiten ist das Ziel, ein millimetergenaues Ergebnis ist es nicht.
Zur Vorbereitung insgesamt passt der Text zu präoperativen Untersuchungen und Vorbereitung.
Der Verlauf nach dem Eingriff
In den ersten Tagen schützt ein Verband oder eine kleine Schutzkappe die Brustwarzen vor Druck. Enge BHs und Kleidung mit Nähten an dieser Stelle werden zunächst gemieden. Sport pausiert je nach Verfahren einige Wochen. Über Wochen bilden sich Schwellung und Verhärtung zurück, und das endgültige Ergebnis ist meist nach drei bis sechs Monaten zu beurteilen.
Beratung zur Formkorrektur bei uns
Wir sehen uns in der Sprechstunde zuerst den Befund an und klären, welcher Grad vorliegt und ob eine Abklärung nötig ist, bevor über eine Technik gesprochen wird. Danach besprechen wir die Optionen mit ihren jeweiligen Folgen, insbesondere im Hinblick auf Sensibilität und einen möglichen Stillwunsch. Wenn ein erhaltendes Verfahren in Frage kommt, sagen wir ausdrücklich dazu, wie stabil das Ergebnis erfahrungsgemäß ist.
Häufig zeigt sich im Gespräch, dass der eigentliche Wunsch die Form der gesamten Brust betrifft und nicht nur den Warzenhof. Dann besprechen wir auch die größeren Verfahren, ohne dazu zu drängen. Einen Überblick über unser Leistungsspektrum finden Sie unter Brustformkorrektur.
Welches Verfahren für Sie geeignet ist und welche Folgen es für Sensibilität und Stillfähigkeit hat, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung sagen und gehört in ein Gespräch mit Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt. Einen Termin vereinbaren Sie über das Kontaktformular.
Zusammengefasst
Schlupfwarzen werden nach der Ausprägung in drei Grade eingeteilt. Abhängig von diesem Grad wird dann erhaltend oder durchtrennend gearbeitet. Erhaltende Technik schont die Milchgänge, hat aber eine höhere Rückfallneigung. Die Verkleinerung des Warzenhofs erfolgt über eine ringförmige Hautentnahme. Bei erschlafftem Gewebe allein ist dies selten ausreichend. Sensibilität und Stillwunsch sollten vor der Technikwahl auf den Tisch kommen.
Wenn eine Einziehung neu aufgetreten ist, steht die Abklärung vor jeder Überlegung zur Korrektur.